Gerade jetzt nach einem erneuten Amoklauf eines jugendlichen Schülers hört man quasi täglich von neuen schockierenden Studien.  So seien Jugendliche süchtig nach Computerspielen, zunehmend gewaltbereiter, ausländerfeindlich, übergewichtig und im internationalen Vergleich sowieso auf den hinteren Rängen. Dass die Wahrheit meistens anders aussieht, erlebe wohl nicht nur ich täglich.

Dass Killerspiel-Diskussionen und dergleichen nahezu blanker Hohn sind und am wahren Problem vorbeigehen, habe ich ja bereits geschrieben. Nun muss man aber noch hinzufügen, dass die meisten Studien wenig über die derzeitige Situation aussagen und auch meistens nicht im richtigen Verhältnis betrachtet werden. Kein Wunder. Studien werden von Kriminologen durchgeführt und für die meisten Medienvertreter sind schließlich nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten.

Dirk Schmaler von der HAZ hat in seinem Leitartikel nun mal seinen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Natürlich nehmen gerade Eltern solche Studien dankbar auf – sie bieten Orientierung in einer Welt, die Erwachsene oft nicht mehr verstehen. Doch meckern und sorgen allein reicht nicht. Gerade heute, in einer Zeit des rasanten Umbruchs auf vielen Gebieten, können wir alle viel von den Jüngeren lernen: Sie bewegen sich im Internet wie die Jugend von vor 20 Jahren auf dem Spielplatz nebenan. Sie leben mit dem Druck, künftig nur noch einen Job zu finden, wenn die Qualifikation internationalen Anforderungen standhält. Sie setzen sich in ihren Schulklassen täglich mit zehn und mehr verschiedenen Nationalitäten auseinander. Kurz: Sie sind es, die – oft erfolgreich – in der Realität leben, vor der ihre Eltern nicht selten noch ängstlich die Augen verschließen.

Dem Artikel kann ich eigentlich im vollem Umfang zustimmen und würde mir wünschen, dass mehr Menschen zu dieser Ansicht gelangen. Leider übernehmen die meisten Menschen schließlich schneller Meinungen aus Nachrichten und Zeitung, als dass sie sich selbst einen Eindruck verschaffen. Da tönt es in der Bahn gehässig „Diese Jugend …” und die eigene Verwandschaft ist besorgt.