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Flattr – I like
Momentan ist anscheinend ja mal wieder richtig was los im Internet oder anders gesagt im Web 2.01. Zunächst hat Facebook seinen „Like”- bzw. „Gefällt mir”-Button auf das Web losgelassen und nun kommt auch Flattr ins Rollen.
Ich bin mir zwar sicher, dass dieses „Like”-Konzept in Zukunft eine ganz große Sache wird, aber momentan hält sich meine Begeisterung da noch in Grenzen. Größtes Problem ist, dass es noch Facebook spezifisch ist und so Facebook fleißig allen Nutzern über die Schulter gucken kann und die Geschichte für Nicht-Facebook-User keinen Mehrwert bietet.
Natürlich wird es bald offene Alternativen geben, aber das ist dann genauso wie mit Jabber, wenn alle Freunde doch bei ICQ sind.
Doch soll nun auch nicht Facebook Thema sein, sondern Flattr. Wobei auf den ersten Blick beides ähnlich aussieht. Ein Button von der Art wie man ihn heutzutage im Web zig mal sieht. Neu ist das Konzept dahinter: Spenden.
Im Normalfall ist es ja so, dass einem im Internet dauernd Dinge über den Weg laufen, die einem gefallen. Darauf landen sie dann vielleicht bei twitter, delicious, Facebook, …. Seltener macht man sich die Mühe die Leistung mit einem Kommentar zu würdigen. Der Autor2 hat davon aber in den seltensten Fällen etwas. Ein Spenden-Button à la PayPal wird kaum Beachtung finden. Zu groß ist die Schwelle vom Mögen bis hin zum Einloggen und Überweisung tätigen. Zumal es sich um Kleinstbeträge handelt.
Flattr setzt genau hier an. Der Autor bindet einen Button in seine Seite und der User klickt in gewohnter „Like”-Manier.
Im Hintergrund fließt darauf das Geld. Das funktioniert so … Der Flattr-User zahlt monatlich eine bestimmte Summe auf sein Flattr-Konto ein, z.B. 2€. Diese 2€ werden am Monatsende aufgeteilt. Habe ich z.B. in diesem Monat zwei Buttons geklickt, bekommen die „Besitzer” dieser Buttons jeweils einen Euro. Habe ich zehn Buttons geklickt, bekommt jeder 1/10, also 0,20€.
Folgendes Video erklärt das nochmal, mit Kuchen, also wie in der 4. Klasse bei der Bruchrechnung.
Vorteile und Nutzen
Nun kann ich Content jeder Art (!) Wertschätzen ohne meine PIN-Nummer rauszukramen und mich zu fragen, ob es nicht ein bisschen lächerlich ist, 1€ zu überweisen. Stink normalen Button klicken ohne in Gedanken bei Phishing-Betrügern und Hackern zu sein und fertig. Der Autor ist am Ende glücklich über kleine Beträge, die sich summieren, und der User kann sich über die gute Tat freuen.
Interessant finde ich auch die entstehenden Top-Listen. Flattr zeigt nämlich nicht nur auf der Seite mit dem Button an, wie oft dieser geklickt wurde, sondern setzt das natürlich auch als Statistik auf ihrer Webseite um. Quasi wie digg.com. Doch ich denke, dass der Content, der bei Flattr ganz oben landet, von völlig anderer Natur sein wird. Schließlich bespende ich doch eher einen großartigen Text oder ein Musikstück als das 231. Katzenvideo des Tages.
Obwohl Flattr noch in der Beta ist, sieht alles schon ziemlich überzeugend umgesetzt aus. So lässt sich nach Sprachen, Content Art, Themen und Zeitraum filtern. In meinen Augen eine großartige Möglichkeit Neues zu entdecken.
Mögliche Probleme & Negative Aspekte
Flattr verbietet es seinen Button auf fremde Inhalten zu kleben. Logisch. Allerdings kann ich auch die neusten Trailer, Musikvideos, Lolcats in einen Blog-Artikel packen und drei Zeilen dazu schreiben. Hier wäre dann die Intelligenz der Leser gefragt, die sich im Klaren sein müssen, dass sie nun eigentlich nur meine drei Zeilen bespenden und eben nicht den eigentlichen Schöpfer.
Andererseits: Will ich einen Flattr-Button unter dem YouTube sehen, um damit die großen Filmstudios noch reicher zu machen? Nein, garantiert nicht. Zumindest nicht solange die auf ihrem Copyright-Kreuzzug sind.
Die meisten Nutzer dürften vermutlich nicht darauf aus sein, mit Flattr das große Geld zu machen, aber auch solche wird es sicher geben. Ich sehe da schon Artikel aufgesplittet in Unterartikel und Klickstrecken. Da man den Button eben nur jeweils einmal im Monat klicken kann, präsentiert man dem Nutzer eben mehr Buttons.
Im Endeffekt läuft es auf den Nutzer und sein Verhalten hinaus. Bespendet er vornehmlich gut recherchierte Artikel, aufwendige Fotos und kostenlose Musik oder doch die kurzen Dreizeiler mit Videos.
Generell bin ich aber überzeugt, dass dieses Konzept Zukunft hat, die Vorteile im Endeffekt überwiegen und die Schmarotzer kaum ins Gewicht fallen werden.
Ich bin dabei. Wo kann ich mich anmelden?
Noch ist Flattr wie erwähnt in der Beta-Phase. Man kann sich in eine Warteliste eintragen, um ein Invite bei der nächsten Gelegenheit eine Einladung zu bekommen.
Wer schon dabei ist, kann jetzt auch hier im Blog flattrn3 oder woanders, z.B. in meinem Lieblings-Physikblog, das auch gerade eine Verlosung am Laufen hat.